10.11.2009

Veröffentlicht: 10. November 2011 in Der restliche Fußballwahn
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Zum 2. mal jährt sich der Todestag von Robert Enke.

Ich weiß noch genau wie ich in meinem elterlichen Haus im Zimmer saß und auf meinen Xbox Controller einhackte. Mein Bruder stürmte meine Tür und fragte mich sichtlich geschockt ob ich „es“ schon gehört hätte. Mit Kopfschütteln wiegelte ich ihn ab weil ich gerade dabei war ein paar Soldaten bei Call of Duty niederzumetzeln.
Ehrlich gesagt interessierte „es“ mich auch nicht weil er öfters verucht mich zu verarschen, kommt dann mit sauwitzigen Sprüchen um die Ecke. Beispiel:
Weisst du wer gestorben ist? Der Gehirnfresser in deinem Kopf. Ist verhungert!

Robert Enke hat sich vor einen Zug geschmissen, sagte er dann und ich drückte auf Pause.

Wie?
Ja die haben grade das gerade im Radio gebracht.

Xbox aus, Receiver an und Nachrichten suchen.
Welchen Sender ich fand weiss ich nicht mehr. Ich kann mich nur noch an einen ländlichen dunklen Bahnübergang erinnern. Eine große Lok, Absperrband und jede menge Blaulicht.

Ich war sprachlos und geschockt. Zu diesem Zeitpunkt konnte man niemals erahnen, dass Robert Enke unter starken Depressionen litt.
Erst als die Ehefrau für den Folgetag eine Pressekonferenz samt Manager und Berater einberuf wusste man, dass da was im Busch sein musste.

Es war so unfassbar. Ein äußerlich gesunder, gut bezahlter Nationaltorwart. Doch man kann seinem Gegenüber nur vor die Stirn schauen, wie man so treffend sagt.

Ich will jetzt gar nicht anfangen zu Fragen was sich danach im Bundesliga- und internationalem Fußball verändert hat. Im endeffekt schreibt die Bild immer noch wahllos 6er Noten unter Spielernamen, was jetzt nur eins von vielen Beispielen ist.

Immerhin wird die Depression als Krankheit mittlerweile auch in der Öffentlichkeit angesehen. Vorher war diese Diagnose ein Synonym um früher als vom Gesetzgeber vorgesehen den Lebensabend zu genießen.
Auch in meinem bekanntenkreis gibt es 2 Fälle von Depression und Burnout-Syndromen. Gott sei Dank nicht in diesem Ausmaß.

Robert Enke hat in meinen Augen geschafft, dass mehr leute sich trauen sich der Krankheit zu stellen, diese aktzeptieren um sie dann behandeln zu lassen. Auch wenn das nicht seine Absicht war. In dieser Situation handelt man warscheinlich rein egoistisch wenn man überhaupt zurechnungsfähig ist

Ich glaube aber das hätte er auch geschafft ohne den Freitod zu wählen.

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Kommentare
  1. Ich denke der Tod von Robert Enke ist tatsächlich eines dieser Ereignisse, von dem Jeder (der sich für Fußball interessiert) noch weiß wo und wie er diese Nachricht erfahren hat. Bei den meisten Prominente, von deren Tod man erfährt nimmt man es ja doch eher nur so hin. „Aha, schade. Hat mir gefallen was der gemacht hat.“ Zum Beispiel. Aber ich kann mich noch genau erinnern, dass der Tod um Robert Enke mir recht nahe gegangen ist und mich auch eine Weile beschäftigt hat. Ein Mensch, den ich eigentlich gar nicht kannte. Das ging sicherlich vielen so.

    Ich hab zu dieser Zeit gerade recht ausgiebig das Album „Suchen und Finden“ von Dennis Lisk gehört. Immer wenn ich die Platte mal wieder einlege kommt mir sofort der Gedanke an deutschalnds ehemalige Nummer eins. In einem Lied (http://www.simfy.de/artists/29413-Dennis-Lisk/albums/394484-Suchen-Finden/tracks/12791734-Lass-los) heiß es da sehr passend:

    „Wenn die Augen erst mal nicht mehr leuchten
    Verlieren alle Worte an Bedeutung
    Lass los, Glück fühlt sich anders an.“

    Sicherlich hat sich durch dieses Ereignis einiges geändert. Zumindest nach außen hin. Keiner hätte sich zum Beispiel getraut nach dem Burnout von Ralf Rangnick einen kritischen Text zu schrieben oder ein kritisierendes Interview zu geben. Aber ob es sich auch im Hintergrund geändert hat? Ich denke das kann unsereiner nicht beurteilen. Ich fürchte fast nicht. Aber das ist nur mein Eindruck.

    Das sich Zeitungen wie Bild nicht ändern verwundert ja nun wenig. Ich glaube nach dem 0:0 gegen Larnake tietelte Bild.de „Die Schalke-Versager“. Klar, das Spiel war schlecht, aber solche Überschriften finde ich immer wieder abartig. Gut, ob man Bild.de wirklich in der Adresszeile seines Browsers eingeben und dann auch noch bestätigen sollte ist eine andere Frage und gehört nicht hier hin.

    Danke für deinen Beitrag.

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