Come in, Come out

Veröffentlicht: 18. Oktober 2011 in Der restliche Fußballwahn
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Sollten sich schwule Profisportler outen?
Gerade im Fußball ein ständig diskutiertes Thema.

Erst einmal bin ich klar dafür. Natürlich ist dies ein großer Schritt, der viel Mut erfordert. Doch er würde eine Tür aufstoßen. Es gibt mit Sicherheit eine menge Sportler, ob im Fußball oder in anderen Sportbereichen, die sich ständig verstellen müssen.
Es wird aufgepasst, dass die „Tarnung“ aufrecht gehalten wird. Ich kann mir gut vorstellen, dass die betroffenen Personen einem gewaltigen Druck ausgesetzt sind. Wenn man bedenkt wie lange die Karriere eines Profisportlers andauert ist das ein gehöriger Kraftaufwand.

Es gibt nicht mal ehemalige Profis von denen bekannt wurde, dass diese sich geoutet haben. Nur was sind die Gründe?
Es muss ja sogar so sein, dass die Spieler Scheinbeziehungen bis Scheinehen eingehen um keinen „falschen“ Eindruck zu erwecken. Dahinter stecken seriöse Agenturen, Spielergewerkschaften und der DFB, die die Spieler schützen. Doch wäre es nicht für alle beteiligten einfacher mit der Wahrheit an die Öffentlichkeit zu gehen?

Natürlich gibt es diese begründete Angst. Schmähgesänge gegnerischer Fans. Anfeindungen. Philip Lahm.
Doch Profis sollten dazu stehen. Allein um sich nicht verstecken zu müssen.

Wenn ein kleiner Philip sich mit der Bild trifft und erzählt, dass er sich nicht outen würde, kann ich das nicht verstehen. Der Kapitän der deutschen Nationalmannschaft sollte ein Vorbild sein. Es wird immer über Toleranz und gegen Rassismus gequasselt. Nur Umgesetzt wird nichts.
Gerade wenn man sich als Profi nicht in diese Situation versetzen kann, noch Zeit hat während des Trainingsbetriebes ein Buch zu schreiben um noch mehr Kohle aus unqualifizierten Informationen generieren will, sollte man die Klappe halten.

„Wichtig ist auf´m Platz“

Otto Rehhagel ist ein kluger Mensch. Dieses Zitat war zwar nicht auf diesen Zusammenhang bezogen, trotzdem könnte man es nicht treffender formulieren. Wen interessiert es denn was Fußballer zu Hause machen. Wenn ein Spieler nicht gerade minderjährige Mädchen vernascht, kann er doch auch machen was er will.
Das was Fans interessiert ist doch ganz einfach.
90 Minuten auf dem Platz ackern und alles für den Klub geben. Niemand sollte einen Menschen beleidigen weil er sich zum gleichen Geschlecht hingezogen fühlt. Homosexualität ist keine Krankheit, die man behandeln muss. Das ist leider noch nicht bei allen angekommen.

Wahrscheinlich wäre es leichter für Profis sich unter dem Deckmantel eines großen Klubs zu outen. Der Rückhalt muss gegeben sein. Aber noch viel wichtiger ist, dass die Menschen auf den Rängen, in der Kurve und beim Training den Spieler nicht behandeln als wäre er anders.
So wie es im normalen Leben auch funktioniert. Wenn ein schwuler Spieler verletzt ausgewechselt wird, kann die Presse nicht schreiben: Das „Weh-Wechen“ zwang den Spieler XY zum pausieren.

Bei aller antipathie die man zum Beispiel für Uli Hoeness hegt. Ich bin mir sicher, dass wenn ein Bayern-Profi sich outen würde: Uli würde dafür sorgen, dass es gut geht.

Ich würde mir wünschen, dass in naher Zukunft ein Spieler diesen Schritt wagt und dafür Respekt erntet.
„Schwul-Sein“ muss nicht respektiert werden. Dafür aber der Mut, sich der Masse in der so tollen Fußballwelt zu stellen. Eine Welt in der Profis Alibi-Frauen zur Seite gestellt werden um bloß nicht als „Schwuchtel“ zu gelten.

Einer meiner besten Freunde ist schwul. Doch ich kenne ihn seit dem Kindergarten und deshalb hat es mich nie auch nur im geringsten gestört. Er hat 17 Jahre mit mir im Fußballverein gespielt. Mit ca. 18 hat er uns erzählt, was wir natürlich alle wussten. Keinen störte es. Natürlich gibt es immer irgendwo Idioten, die ihn aufziehen wollten.
Aber insgesamt kamen alle im „Dorfverein“ damit klar.

Ich hoffe Spieler haben nicht Angst weil Sie befürchten, dass dann keine lukrativen Werbe-Angebote mehr bekommen oder dergleichen. Dafür habe ich dann auch kein Verständnis.

Wir werden mit Sicherheit in Zukunft von schwulen Spieler erfahren. Ich hoffe dann nur, dass er nicht geoutet wurde, sondern selbst den Schritt wagt. Und dann nicht wie die Sau durch´s Dorf getrieben wird.

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Kommentare
  1. Matthias sagt:

    Du sprichst selbst an, dass homosexuelle Fußballer unter einem besonderen Druck stehen. Könnte es nicht sein, dass das derzeitige „Schwule Fußballer müssen sich outen“-Toleranzgerede den Druck auf die Fußballer zusätzlich noch erhöht?

    Es sollte jedem freigestellt sein, wie viel Privates er in die Öffentlichkeit bringt. Und zwar in JEDEM Bereich. Dass Christian Fuchs auf Schlangen steht, wissen wir, weil er es selbst bereitwillig preisgegeben hat. Dass Holger Stanislawski gerne deutschen Schlager hört, wissen wir, weil er es zuletzt im ZDF-Sportstudio (auf dämliche Nachfragen von KMH) selbst gesagt hat. Dass ein Fußballer schwul ist, will ich von ihm nur dann erfahren, wenn er es der Öffentlichkeit mitteilen will. Aktuell wird in der aktuellen Toleranzoffensive, die auch diesen Beitrag trägt, aber geradezu ein Zwang aufgebaut: „Du bist schwul? Dann musst du dich outen! Sofort! Denn wenn du es nicht tust, unterstellst du mir, dass ich schwulenfeindlich bin, du Sau“

    Mir ist es egal, was ein Fußballer außerhalb seines Berufes macht. So egal. dass ich mir eben nicht den Kopf darüber zerbreche oder gar Outing-Forderungen an ihn stelle. Und auf gar keinen Fall wäre mir ein schwuler Fußballer, der dem Toleranzdruck jetzt nachgibt, aufgrund eines Outings symapthischer. Wenn er ist ein Spieler ist, der mir immer schon auf den Sack ging, wird er durch Schwulsein bei mir keinen Bonus erlangen. Oder anders: Arsch bleibt Arsch!

    Sorry für diesen vielleicht als trollig zu verstehenden Kommentar. Aber ich kann die öffentliche Geilheit auf den ersten offiziell-schwulen Fußballer absolut nicht nachvollziehen. Alle geifern darauf, dass sich endlich einer outet, um ihn dann auf die Schulter tätscheln und ihn loben zu können. Ich finde das merkwürdig. Wenn alle so tolerant wären, wie sie gerne tun, wäre es ihnen schlichtweg scheißegal.

  2. limbos86 sagt:

    Klar hast du Recht. Es gibt auch diejenigen, die es gar nicht Preisgeben wollen. Ich wollte auch keinen Aufruf dazu starten. Es gibt aber bestimmt auch Spieler denen dieser Aufwand mit
    Agenturen etc auf den „Sack“ geht, die sich aber nicht trauen Stellung zu beziehen.
    Klar ist auch, dass Arsch = Arsch bleibt. Nur würde ich diesen Mut schon respektieren. Wenn damals z.B. Thomas Brdaric ( k.A. ob der schwul ist) sich geoutet hätte, hätte ich den trotzdem als lächerlich empfunden 😉

  3. Matthias sagt:

    Vielleicht trauen sie sie nicht, weil sie glauben, dass die Öffentlichkeit noch nicht bereit dazu ist. Es bleibt jedoch allein ihre Entscheidung, ob sie meinen, dass die Öffentlichkeit nun bereit ist, oder eben nicht. Und selbst wenn die Öffentlichkeit dazu bereit wäre, kann daraus doch keine Verpflichtung zum Outing hergeleitet werden.

    Verstehe mich bitte nicht falsch, du willst im Prinzip ja etwas Gutes. Aber der Eifer, der aktuell bei der Suche nach dem ersten sich als homosexuell outenden Fußballer an den Tag gelegt wird nimmt zum Teil schon Züge einer schwulenfeindlichen Hexenjagd an. Vor 20 Jahren wurden Promis geoutet, um sich danach öffentlich über sie das Maul zu zerreißen. Heute will man, dass sich Fußballer outen, um sich danach öffentlich das Maul darüber zu zerreißen, dass man damit überhaupt kein Problem hat.

    Sexualität ist Privatsache. Jede Aufforderung und jeder auch noch so sanfte Druck – und sei es auch noch so gut gemeint – die eigene Sexualität in der Öffentlichkeit dazulegen, stellt einen Eingriff in die Privatspähre eines Menschen dar. Exakt das ist mein Problem mit der aktuellen „Kampagne“.

    Du hast heute morgen den Namen eines Fußballers und den eines TV-Moderators getwittert, die angeblich ein Paar sein sollen, und unterstellst einem von beiden, dass er eine „Alibi-Tussi“ habe. Was bitte ist denn daran gelebte Toleranz? Und was meinst du, wie sich vermeintliche „Alibi-Tussis“ fühlen, wenn sie öffentlich als solche dargestellt werden? Hättest du Spaß daran, als Alibi-Macker deiner Partnerin wahrgenommen zu werden? Ich meine mal so richtig konsequent zuende gedacht („Der macht den Job des Alibi-Mackers nur wegen des Geldes. Der lebt selbst seine eigene Sexualität nicht aus, wahrscheinlich ist er asexuell, sonst würde er das ja gar nicht können“).

    Ich warte ab bis der erste Fußballer sich outet. Irgendwann wird das passieren und dann wird es mir ebenso egal sein wie es mir bei Guido Westerwelle egal war. Den darf ich nämlich trotzdem nicht gut finden, obwohl er sich geoutet hat 😉

  4. Mal eben vorweg ein dickes Lob für das Aussehen der Seite. Ich schau sonst nur von meinem Mobile rein und da sehen die wordpress-Seiten ja alle nahezu gleich aus.

    Was ich eigentlich schreiben wollte:
    Ich finde auch, wie Matthias, dass eine Forderung nach einem Outing übertrieben ist. Sollen doch die Fußballer bitte ihre privaten Geschichten für sich behalten. Wie froh wäre ich gewesen wenn Effenberg und Strunz und Matthäus usw. (um keine aktuellen Spieler nennen zu müssen) mit ihrem Liebesleben hinterm Berg gehalten hätten.
    Sollte jedoch jemand seine Homosexualität zeigen wollen und traut sich nicht, muss dieser Person ja auf irgendeine Weise gezeigt werden, dass ihr mit Respekt und Toleranz und nicht mit Ablehnung begegnet werden wird. Die Frage stellt sich jetzt auf welche Weise man das zeigen kann, wenn man diese „Toleranzoffensive“ nicht mitmachen will.
    Diese Frage sollen andere beantworten, ich empfinde es sehr schwer einerseits zu sagen/zeigen, dass man mit Homosexualität kein Problem hat und andererseits nicht zu diesen, von Matthias beschriebenen, Personen zu gehören, die ihre riiiiiiesen Toleranz vorzeigen möchten um sich damit zu „schmücken“.
    Ein zweiter Punkt ist die Frage nach dem Vorhandensein von schwulen (ich schreib das mal so, weil ich nicht den Eindruck habe, dass homosexuelle Männer in meinem Bekanntenkreis das als negativ betrachten) Fußballern.
    Mir stellt sich schon lange die Frage, ob es überhaupt eine nennenswerte Anzahl an schwulen Profis gibt.
    Eine Bekannte hier in Bremen hat mir mal die „Insider-Information“ gesteckt, bei Werder gäb es einen Schwulen (das war zu Micouds Zeiten) und solche Gerüchte gibt’s ja immer wieder – auch dieser Artikel basiert ja auf der Diskussion zu so einem Bericht.
    Warum sollten aber die Männer der 54 Bundesliga-Vereine die deutsche Gesellschaft (in Bezug auf das Verhältnis Homo- und Heterosexueller) widerspiegeln, wenn schon in der Jugend ein schwulenfeindliches Klima herrscht?
    Könnte es nicht sein, dass viele Jugendliche, die sich ihrer Homosexualität bewusst werden, einfach emotional genug anderes zu verarbeiten haben (Pubertät, Bewusstwerden des Verschiedenseins, negative Äußerungen anderer, gesellschaftliche Ablehnung gegenüber Anderen die sich outen…) als sich auch noch mit dem Stress eines Fußballinternats oder dem Druck des Profi-werden-wollens auseinander zu setzen?! Oder einfach in dieser sehr ablehnenden Fußballwelt keinen Bock auf haben auf einen Spießrutenlauf und sich sportlich einfach anders orientieren?!
    Ich hab nie in einer (Jugend-)Mannschaft Fußball gespielt, aber aus Erzählungen kommen mir die Rituale und Gespräche in den Kabinen eher nicht fördernd für einen sich gerade seiner Homosexualität bewusst werdenden jungen Mann vor.
    Vielleicht fliehen Schwule aus einer solch feindlichen Umgebung und die Fragestellung des Outens in der Profifußball-Welt stellt sich gar nicht mehr?!
    Bestimmt gibt es schwule (Profi-)Fußballer, aber womöglich weniger als man denkt, wenn man an das Verhältnis im eigenen Umfeld denkt.

    • limbos86 sagt:

      Hey Sebastian. Erstmal vielen Dank 🙂

      So um nochmal zusammenzufassen.
      Natürlich freue ich mich über Diskussion und kritik.
      Ich wollte auch keinen Aufruf starten, dass sich jetzt sofort jeder homosexuelle Fussballer outet. Klar versuche ich etwas zu provozieren.

      Aber ich meine auch nach wie vor. Wenn sich jetzt ein gestandener Spieler outen sollte ist es ein Segen für die noch folgenden.
      Klar ist: Wenn ein Spieler sein Privatleben lieber nicht mitteilen will (was ja auch sein gutes Recht ist) dann soll er es so halten.
      Aber!! Wenn irgendwann mal ein Schnappschuss von den hiesigen Revolverblättern, Leserreportern etc. auftaucht und ein Spieler geoutet wird ohne es zu wollen, geht die Hexenjagd erst richtig los.

  5. […] Artikel Come in, Come out…[…]

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